Was kann eine digitalisierte Gesundheitswirtschaft?

Medizinische Fortschritte dank Big Data. Elektronische Patientenakte vor dem Start. Themen des 4. eHealth-Day Hamburg
07. Dezember 2020
Wissenschaftlerin mit medizinischer Probe

Corona hat der Digitalisierung einen massiven Schub und breiten Teilen der Bevölkerung praktische Erfahrungen mit digitalen Lösungen beschert. „Wir haben erlebt, dass die Digitalisierung der Gesundheitswirtschaft nicht nur eine Chance, sondern eine Notwendigkeit ist“, betonte denn auch Jan Quast, Geschäftsführer der Gesundheitswirtschaft Hamburg GmbH bei seiner Begrüßung zum 4. eHealth-Day Hamburg. Die diesjährige Veranstaltung fand digital und in zwei Teilen statt. Nach dem ersten Teil Ende August beschäftigten sich die Teilnehmer nun am 2. Dezember in Workshops mit Big Data, Datenschutz oder neuen Lösungen für einen sektorenübergreifenden Datenaustausch – gemäß dem Motto: Digitalisierung als Chance.

Corona als Treiber 

Entsprechend ging es auch im Impulsvortrag von Professor Dr. med. Jörg Debatin um Fragen wie: Welche innovativen Lösungen des Datenaustausches wurden während der Corona-Pandemie vorangetrieben? Wie werden in Zukunft diagnostische Entscheidungen getroffen? Und welche Rolle spielen digitale Daten für die medizinische Forschung? „Sie sind entscheidend. Daten sind die Grundlage für medizinischen Fortschritt“, so das Fazit Debatins.

Immer mehr Datenspenden

Allerdings müssen die Daten in ausreichender Menge und Qualität zur Verfügung stehen, um belastbare Ergebnisse zu erzielen. Die gute Nachricht: Immer mehr Menschen sind bereit ihre Daten zu spenden. Ganz aktuell etwa über die Corona-Datenspende-App des Robert Koch-Instituts. „532.000 Menschen haben ihre Daten bereits freiwillig zur Verfügung gestellt“, weiß der frühere ärztliche Direktor des UKE. Seit März 2019 leitet Debatin den health innovation hub (hih) des Bundesministeriums für Gesundheit - eine Art Thinktank, der eine Brücke zwischen Staat und medizinischer Welt schaffen will. Dazu ist hih interdisziplinär aufgestellt. Neben Ärzten oder Pflegefachkräften sind Data Scientists ebenso vertreten wie Unternehmer, die beispielsweise der Frage nachgehen: Wie bringe ich meine App am besten auf den Markt?

Videosprechstunden von Hebammen

In Deutschland geht letzteres seit Ende 2019 deutlich einfacher. Das Digitale-Versorgung-Gesetz (DVG) erlaubt die Verschreibung von Gesundheits-Apps. „Diese Offenheit gegenüber innovativen Gesundheitslösungen steigert die Attraktivität des deutschen Gesundheitsmarkts“, ist Debatin überzeugt. Auch die Möglichkeiten zur Inanspruchnahme einer Videosprechstunde werden durch das DVG vereinfacht. Zu Recht findet der Mediziner, der darin ein interessantes Instrument als Ergänzung zur klassischen Sprechstunde sieht. „Sie bietet die Möglichkeit, den Arzt quasi im heimischen Wohnzimmer zu empfangen, und das ganz ohne Ansteckungsgefahr.“ Das niedrigschwellige Angebot werde gut angenommen und soll erweitert werden. In Zukunft könnten auch etwa Hebammen, Physiotherapeuten oder Logopäden per Video Patienten betreuen.

Keynote by Professor Dr. med. Jörg Debatin
© Yvonne Scheller
Vortrag von Professor Dr. med. Jörg Debatin
Keynote by Professor Dr. med. Jörg Debatin
© Yvonne Scheller
Die ePA kommt

Datensouveränität bei der elektronischen Patientenakte

 

Auch die Einführung der elektronischen Patientenakte (ePa) steht kurz bevor. Ab 2021 können alle gesetzlich Versicherten die ePA über ihre Krankenkassen erhalten. Die Souveränität über Inhalt und Zugriffsrechte verbleibe bei den Versicherten, betont Debatin. Der Arzt wiederum habe alle Daten auf einen Blick – sicher und umfassend.

Denn das sei schließlich das Ziel der Digitalisierung der Gesundheitswirtschaft: Prävention, vernetzte und individualisierte Medizin zum Wohle des Patienten.
ys/kk