Norddeutschland: Industrielle Gesundheitswirtschaft auf solidem Kurs

Life Science Nord Cluster mit neuen Kennzahlen zum „ökonomischen Fußabdruck“ der Branche. Und: aktuelles Stimmungsbild
27. Oktober 2020
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Wie steht die industrielle Gesundheitswirtschaft in Hamburg und Schleswig-Holstein wirtschaftlich da? Wie entwickeln sich Beschäftigtenzahlen und Exporte? – Antworten auf Fragen wie diese geben die neuesten Kennzahlen der Branche. Diese wurden im Auftrag des norddeutschen Branchennetzwerks Life Science Nord vom unabhängigen Wirtschaftsforschungsinstitut WifOR ausgewertet, und kürzlich vorgestellt. Demnach hat sich das Cluster im betrachteten Zeitraum von 2016 bis 2018 „auf einem Wachstumskurs befunden“ und ist „ein bedeutender Wirtschaftsfaktor in Norddeutschland“, fasste Dr. Sandra Hofmann, Forschungsleiterin internationale Sozialpolitik bei der WifOR GmbH, die Ergebnisse der Studie zusammen. Einen Einblick in das aktuelle Stimmungsbild gab Clustermanager Dr. Hinrich Habeck.                                                                         

Solides Wachstum und hohe Strahlkraft des Clusters

So ist die direkte Bruttowertschöpfung im betrachteten Zeitraum jährlich um 3 Prozent gewachsen und auf 5,0 Milliarden Euro gestiegen. Auch die Zahl der Erwerbstätigen erhöhte sich zwischen 2016 und 2018 um 4,8 Prozent auf 52.800 Beschäftigte. Damit besitzt das Cluster „eine hohe Strahlkraft“ und sichert in der Region „Wertschöpfung und Arbeitsplätze über die eigentliche Branche hinaus“: Auch die Bruttowertschöpfung je Einwohner ist von 979 Euro im Jahr 2016 auf 1.062 Euro in 2018 gestiegen. Deutschlandweit liegt das Life Science Nord Cluster damit auf dem dritten Platz, hinter Baden-Württemberg und Hessen. 

Ein Plus kann die Branchenregion auch bei den Exporten verzeichnen: Sie sind auf 6,6 Milliarden Euro gestiegen, was einem durchschnittlichen jährlichen Wachstum von 5,6 Prozent entspricht. Der Anteil an den Gesamtexporten der Wirtschaft liegt bei 5,1 Prozent (2016: 4,7 Prozent).  

Corona: verhalten optimistische Zukunftserwartungen

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Branche seien noch nicht vollends absehbar. Aktuell gebe es jedoch einen leichten Aufwärtstrend und verhalten optimistische Zukunftserwartungen, berichtet Clustermanager Dr. Hinrich Habeck über das aktuelle Stimmungsbild. „Der Anteil der Betriebe, die von einem Umsatzrückgang betroffenen sind, hat sich im Vergleich zu unserer ersten Umfrage im April 2020 mit circa 50 Prozent deutlich verringert. Rund ein Drittel der Unternehmen verzeichnen aktuell sogar eine Steigerung des Umsatzes im Vergleich zum Vorjahr.”

Michael Westhagemann, Senator der Hamburger Behörde für Wirtschaft und Innovation, fügte hinzu: „Die Liquidität der Unternehmen und die Sicherung der Arbeitsstellen hat für uns weiterhin große Priorität. Hier haben sich Maßnahmen, die Netzwerk-Strukturen innerhalb der Cluster weiter zu stärken, als hilfreich erwiesen und zu raschen Erfolgen geführt.“ Ein gutes Beispiel dafür sei die schnelle Vermittlung von Arbeitskräften zwischen den verschiedenen Branchen, die teilweise von Kurzarbeit oder aber Fachkräftemangel betroffen waren. „Es ist mehr als sinnvoll Kompetenzen zu bündeln, eng zusammenzuarbeiten, sich zu vernetzen und damit auch wichtige Innovationen voranzutreiben“, so Westhagemann weiter.

Wertschöpfungskette Gesundheit

Die industrielle Gesundheitswirtschaft umfasst, als Kern des Clusters Life Science Nord, wichtige Teile der „Wertschöpfungskette Gesundheit“, wie Humanarzneiwaren, Medizintechnik, Körper-, Mund- und Zahnpflegeprodukte, Sport- und Fitnessgeräte, gesundheitsrelevante Informationsgeräte, Forschung und Entwicklung sowie eHealth. Die für das Cluster erfolgte Definition umfasst darüber hinaus auch den Großhandel, nicht aber den Einzelhandel. Unter dem Begriff „ökonomischer Fußabdruck“ ist die gesamtwirtschaftliche Bedeutung von Branchen oder Unternehmen anhand ökonomischer Kennzahlen, wie der Bruttowertschöpfung, der Anzahl der Erwerbstätigen oder des Exportvolumens, zu verstehen.

Das Wirtschaftsforschungsinstitut WifOR hat den etablierten Ansatz des „ökonomischen Fußabdrucks“ länderübergreifend auf Hamburg und Schleswig-Holstein angewendet und so im Jahr 2014 erstmals die enge wirtschaftliche Verflechtung der beiden Bundesländer dargestellt. Die Zahlen und Fakten der neu vorgestellten Studie basieren auf den aktuellen Ergebnissen der Gesundheitswirtschaftlichen Gesamtrechnung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie für Deutschland und der einzelnen Bundesländer.
sb/kk