KI-Summit beleuchtet die digitale Zukunft

Use Cases und Einblicke in die Hamburger KI-Landschaft – beim KI-Summit 2021 stand die Zukunftstechnologie im Mittelpunkt
26. August 2021
AI Summit 2021

„Hamburg ist die KI-Hauptstadt Deutschlands – zumindest in dieser Woche“, findet Dr. Michael Müller-Wünsch, Bereichsvorstand Technology bei der Otto GmbH & Co. KG. Schließlich war der KI-Summit 2021 am 24. August – initiiert von der Handelskammer Hamburg, dem Mittelstand 4.0 Kompetenzzentrum und dem ARIC e. V. – der Auftakt zum „fAIstival.hamburg“.

KI wird den Menschen assistieren, nicht ihn ersetzen

Vom 24. bis 28. August beschäftigen sich KI-Akteure aus Wirtschaft und Wissenschaft mit der Frage unserer digitalen Zukunft. Die Otto Group als gelungenes Beispiel für digitale Transformation darf da natürlich nicht fehlen. So ist Müller-Wünsch überzeugt, in der computerunterstützten Bewältigung von Aufgaben liege die Zukunft. „Dabei wird KI den Menschen assistieren, nicht ihn ersetzen.“ Als vielversprechende Use Cases nennt der KI-Experte, schließlich hat Müller-Wünsch hat zum Thema künstliche Intelligenz promoviert, KI-Anwendungen zur Bild-, Sprach- und Texterkennung.  

Bilderkennung nennt auch Michael Koch, Director Data Analytics & Artificial Intelligence bei Lufthansa Industry Solutions, als wertvolles Instrument, um die Qualität von Vorhersagen zu steigern. „Forecasts sind unser Brot- und Butter-Geschäft, ob es nun um Passagier- und Gepäckaufkommen geht oder um die Zahl von besonderen Mahlzeiten im Rahmen der Bordverpflegung.“ Und seine Chefin Dr. Susan Wegner verweist auf das Potenzial der Technologie, um Nachhaltigkeitsziele zu erreichen – etwa indem Flugrouten mittels KI optimiert werden.

 Creativity at AI Summit 2021
© Yvonne Scheller
Kreative KI macht Van Gogh Konkurrenz

Chancen und Risiken erfordern Transparenz

Den vielen Chancen stünden natürlich auch Risiken gegenüber, oder vielmehr Missbrauch. Die Möglichkeiten reichen von Deepfake-Algorithmen bis zu ‚kreativer‘ KI, die weitgehend eigenständig Musikstücke, Gemälde oder Texte aller Art erschafft, ohne, dass die künstliche Urheberschaft deutlich wird. Lothar Hotz, Geschäftsführer des Hamburger Informatik Technologie-Center (HITEC), fordert deshalb Transparenz: „KI muss sich outen.“

Bei der Entwicklung neuer Technologien sollten wir stets verantwortungsvoll vorgehen, findet Professor Olaf Groth, Fakultätsmitglied der UC Berkeley’s Haas School of Business und Professor an der Hult International Business School in Cambridge, Massachusetts. Also ist Deutschlands Engagement für Datenschutz der richtige Weg? „Durchaus – solange es nicht zu weit geht“, betont Groth. „Wenn es um Anwendungen im Gesundheitsumfeld geht, ist Datenschutz unerlässlich, im Konsumumfeld nicht unbedingt.“

Nur wer Innovationen mitentwickelt, kann mitbestimmen

Der Zugriff auf Daten ist eine entscheidende Voraussetzung für den Einsatz von KI. „Das kann anonymisiert geschehen, aber es muss geschehen. Sonst manövrieren wir uns ins wirtschaftliche, aber auch soziale Aus“, ist Groth überzeugt. Schließlich könne KI gesellschaftliche Zusammenhänge sichtbar machen oder ein Bewusstsein schaffen für das Zusammenspiel von Mensch und Natur. Wie das geschehe, haben wir selbst in der Hand – aber nur wenn wir handeln, betont Groth. „Es kann nur mitbestimmen, wer Innovationen mitentwickelt.“ Deshalb sei es so wichtig, die Jugend möglichst früh – am besten schon in der Grundschule – für neue Technologien zu begeistern. „Aber auch eine pro unternehmerische Einstellung in der Gesellschaft ist wichtig“, betont Groth, selbst Gründer eines Think Tanks, der Führungskräfte zu Disruption, Chancen und Risiken in der globalen digitalen Wirtschaft berät.

Olaf Groth, AI expert
© Yvonne Scheller
KI-Experte Olaf Groth beim KI-Summit 2021

Wann kommen die Haus-Roboter?

Und wo geht die Reise hin? Heißen wir bald Haus-Roboter als neue Mitbewohner willkommen, die lästige Hausarbeiten übernehmen oder sich um ältere Verwandten kümmern? „Die ganz großen Revolutionen sehen wir noch nicht so schnell“, ist Dr. Sven Magg überzeugt. „Dafür übernimmt KI heute schon sehr viele sinnvolle Aufgaben im Hintergrund“, erklärt der Senior AI Researcher am HITEC.
ys/sb