Das war die Fintech Week 2021

Fünf Tage lang diskutierten Akteure aus Fintechs, Banken, Versicherungen und der Digitalwirtschaft über die Zukunft der Finanzen. Ein Nachbericht
03. Dezember 2021
Fintech Week 2021

Für die diesjährige Fintech Week ging es hoch hinaus. Genauer gesagt in den vierten Stock, mitten in der Hamburger Innenstadt. Fünf Tage lang trafen etablierte Player der Bankenwelt auf innovative Fintech-Akteure. Experten diskutierten mit Neulingen. Dreh- und Angelpunkt der Branchenveranstaltung war der Campus 75, Eventlocation und Heimat der privaten Hamburg School of Business Administration (HSBA). Hier fanden – unter dem Dach der Fintech Week – vom 22. bis 26. November insgesamt 23 Veranstaltungen statt, auf Deutsch und Englisch. Stets im Mittelpunkt: Neuigkeiten und Trends rund um die Digitalisierung der Finanzwirtschaft. Die Hamburg News waren vor Ort.

 

Finexity at Fintech Week
© Sarah Bischoff
Finexity-Mitgründer und -CTO Henning Wagner

Blockchain im Bankensektor – Disruption oder Chance?

Der erste Tag stand ganz im Zeichen der Blockchain-Technologie: Wie kann die Blockchain typische Bankprozesse einfach, schneller und kostengünstiger machen? Drei Fintechs pitchten ihre Geschäftsmodelle, XVA Blockchain aus Mainz (automatisierte B2B-Transaktionsprozesse mittels Smart Contracts), Münchner Cadeia (B2B-Plattform für komplexe Finanzprodukte) und Finexity aus Hamburg. „Tokenisierung ist keine Nische mehr“, betonte Henning Wagner, Fintexity-Mitgründer und -CTO. Das Gründertrio hat eine Blockchain-basierte Open-Banking-Investmentplattform entwickelt. Es geht um tokenisierte, also digitale, Vermögenswerte, die in Form von Token auf der Blockchain abgebildet werden. So können Anleger*innen laut Wagner bereits ab 500 Euro in Sachwerte (Immobilien, Kunst, Wein, Diamanten usw.) investieren, deren Gesamtwert eigentlich weit darüber liegt. 2018 gegründet, zähle Finexity heute bereits mehr 40 Mitarbeiter*innen, und habe u. a. bereits 15 Immobiliendeals, 10 Kunstdeals und fünf Diamantendeals erfolgreich abgeschlossen, berichtet der Informatiker weiter. Dabei liege der Vorteil der Blockchain auf der Hand: „Durch die Tokenisierung von Vermögenswerten können wir Intermediäre reduzieren. Das spart Zeit und Kosten.“

Digitaler Euro – eine Bestandsaufnahme

Am Abend ging es beim Blockchain Monday, einer regelmäßig stattfindenden Veranstaltungsreihe des Hanseatic Blockchain Institute, um die Zukunft des Euro. Als Experte war Fred Steinmetz, Mitgründer des Blockchain Research Labs (BRL), zugeschaltet. Die Zukunft des Euro sei digital und basiere auf einer alternativen technischen Struktur (wie der Distributed-Ledger-Technologie), ist Steinmetz überzeugt. Damit sei es komplementär zu Bar- und Giralgeld, es werde dieses nicht ersetzen. Als Central Bank Digital Currency (CBDC) soll es von einer Zentralbank herausgegeben werden und ohne Intermediäre auskommen. Während es unter anderem in China und Schweden bereits erste Pilotprojekte zum digitalen Zentralbankgeld gibt, hat die EZB im Sommer 2021 eine zweijähriges Evaluierungsprojekt gestartet. Neben Chancen (Kostenreduktion, Inklusion: „Banking of the unbanked“ usw.) und Risiken (u. a. Verlust von Arbeitsplätzen, Gefahr von Insellösungen) gebe es noch zahlreiche offene Fragen zu klären, so der BRL-Gründer. Beispielsweise: Wie transparent kann ein staatliches DLT für Finanztransaktionen sein? Eines stehe laut Steinmetz jedoch fest: Der digitale Euro werde sich maßgeblich von Kryptowährungen unterscheiden.

Sustainable Finance und Fintech Ladies

Ging es am Mittwoch (24. November) tagsüber um die Zukunft des Open Bankings, Sustainable Finance und ESG, kamen am Abend die Fintech Ladies zum Deep Dive „Remote-First-Kultur in einem deutschen Fintech – kann das funktionieren?“ zusammen. Caroline Schober, Account Executive DACH beim Finanztechnologie-Startup Airbank, berichtete aus ihrem Arbeitsalltag in Berlin – von unterhaltsamen Anekdoten bis zu Fuckups.

Fintech Week 2021 – International Day

Am vorletzten Tag der Fintech Week luden Hamburg Invest und die Initiative Finanzplatz Hamburg zum International Day ein, das Motto: „Sharing expertise and what’s next in Fintech“. Im ersten Teil des Tages präsentierte sich das Hamburger Fintech-Ökosystem. Unter Beteiligung von Charlotte Roggenbuck (Schwedische Handelskammer in der Bundesrepublik Deutschland e. V.) ging es um den internationalen Austausch und die Weitergabe von Erfahrungen rund um das Thema „How to enter the German Market“. Die zweite Tageshälfte bestritten vielversprechende Startups aus Schweden und Estland mit Pitches, bevor es am Abend in die Fintech Week Lounge zum Networking ging.

Die Veranstalter, Finletter und Fintech Week GmbH, zogen ein positives Fazit. Auch die Startup-Unit der Hamburg Invest registrierte ein insgesamt gestiegenes Interesse und eine große Nachfrage nach ihren Beratungsangeboten. Und so wurde bereits der Termin für die nächste Fintech Week bestätigt. Vom 26. bis zum 30. September 2022 wird Hamburg wieder zur Fintech-City.
sb/kk

Fintech Week 2021
© Sarah Bischoff
Panel zur Zukunft des Euros

Blockchain-Technologie

Eine Blockchain ist eine dezentrale Datenbank, die eine stetig wachsende Liste von Transaktionsdatensätzen vorhält. Die Datenbank wird chronologisch linear erweitert, vergleichbar einer Kette, der am unteren Ende ständig neue Elemente hinzugefügt werden – daher auch der Begriff ‚Blockchain‘. Ist ein Block vollständig, wird der nächste erzeugt. Jeder Block enthält eine Prüfsumme des vorhergehenden Blocks. Das soll die Technologie vor Manipulation schützen. Somit ist die Blockchain Teil der sogenannten Distribuded Ledger Technologie (DLT).