Von der Kraft des Windes: segelnde Frachter, Windautos & Co.

Neue Serie rund um das Thema Windenergie. Experte und Gastautor Daniel Hautmann stellt außergewöhnliche Beispiele vor. Teil 1: Ausblick
28. Oktober 2020
Frachter mit Zugdrachen

Der Mensch nutzt die Kraft des Windes seit Jahrtausenden. Sei es zum Mahlen von Korn oder zur Landgewinnung, um auf Segelschiffen die Welt zu erkunden oder mit Drachen, Ballonen und anderen Fluggeräten abzuheben. Der freie Wissenschaftsjournalist Daniel Hautmann hat dem Wind gleich ein ganzes Buch gewidmet, das im Oktober 2020 erschienen ist: „Windkraft neu gedacht – erstaunliche Beispiele für die Nutzung einer unerschöpflichen Ressource“ handelt nicht nur von Windkraftanlagen, die Strom erzeugen, sondern von vielen weiteren Ideen, die zeigen, wie der Mensch die Kraft des Windes für sich arbeiten lassen kann – ohne die Atmosphäre mit Klimaschadgasen zu belasten. In sechs Gastbeiträgen zeigt der Windkraft-Experte und Wahlhamburger anhand spannender Beispiele aus Hamburg und darüber hinaus, was der Wind alles antreibt. Teil 1: Ausblick.

Hamburg ist Windhauptstadt

Hamburg ist die Windhauptstadt der Welt. Klar, hier weht immer ein Lüftchen. Mal sanft, mal stürmisch. Zwar drehen in der schönsten Stadt der Welt nur 65 Windturbinen ihre Flügel, doch in Sachen Windkraft ist die Hansestadt tatsächlich Weltmeister. Die internationale Wind-Leitmesse „Wind Energy“ findet hier statt. Zudem haben internationale Hersteller hier ihren Sitz. Während sich Hamburg vor allem als Standort für Firmenzentralen und Forschungsabteilungen etabliert hat, sind an der Nord- und Ostseeküste zahlreiche Produktionsstandorte entstanden.

Doch Hamburg verbindet mit dem Wind noch viel mehr. Stichwort Hanse. Bis vor wenigen Jahrzehnten legten hier die großen Frachtsegler an, die man bis heute im Hafen bestaunen kann. Dann kam die Dampfmaschine, später der Dieselmotor und strich die Segel sprichwörtlich. In letzter Zeit erleben Segelantriebe aber wieder eine Renaissance. Kein Wunder: Die Schadgase, die die modernen Riesenfrachter ausstoßen, stinken im wahrsten Sinne des Wortes zum Himmel. Einige Hamburger Unternehmen und smarte Tüftler haben Ideen entwickelt, die die Schifffahrt auf Umweltkurs bringen. Mehr dazu in den kommenden Teilen der Serie.

Von Windschiffen bis zu Windautos

Und es gibt noch viele weitere Möglichkeiten, den Wind zu nutzen. Denn auch Windräder müssen nicht immer an Land stehen, drei Flügel haben und sich stoisch im Kreis drehen. Es gibt bereits schwimmende und fliegende Windkraftanlagen, die in ungeahnte Höhen klettern und dort die starken und stetigen Winde nutzen. Auf diese Weise könnte die Windkraft grundlastfähig werden. Fernab der Küsten installiert, können solche Maschinen ganze Kontinente mit grünem Strom versorgen.

Daniel Hautmann
© Daniel Hautmann
Windkraft-Experte Daniel Hautmann

Selbst Autos kommen mit der Kraft des Windes effizient voran, wie Beispiele zeigen. Eines der schnellsten sogenannten Gegenwindfahrzeuge stammt ausgerechnet aus der Geburtsstadt des verbrennenden Automobils: Stuttgart. Aber auch aus Kiel und Flensburg kommen fantastische Konstruktionen. Sie messen sich alljährlich beim Aeolus Race im niederländischen Den Helder.

Und natürlich spielt der Wind auf See eine tragende Rolle. Auf allen Ozeanen kreuzen Frachter auf, die zeigen, dass es auch sauber voran geht. Sie nutzen Gas, Brennstoffzellen oder Strom, der mit der Kraft der Sonne per Photovoltaik gewonnen wird. Vor allem aber der Wind birgt auf See enormes Potenzial – Das erkannten die Menschen schon vor Jahrtausenden, als Motoren noch ferne Zukunft waren.

Steine als Energiespeicher

Genauso über das Thema der Stunde: Wasserstoff. Diesem Gas könnte die Zukunft gehören. Aus grünem Strom, etwa aus Wind, gewonnen, kann es sämtliche Sektoren umweltfreundlich befeuern – von der Stahl- und Zementindustrie, über die Mobilität, den Wärmemarkt bis zur Stromgewinnung. Doch allein auf Wasserstoff sollte man sich nicht verlassen. Deshalb werden wir uns auch dem Thema thermische Speicher widmen. Einer der eindrucksvollsten davon steht nämlich in der Hansestadt Hamburg.
sb/kk

Ein Gastbeitrag von Daniel Hautmann, freier Wissenschaftsjournalist und Buchautor

Das Buch

Buchcover Windkraft neu gedacht breit

Der Mensch nutzt die Windkraft schon seit Jahrtausenden. Mit dem fortschreitenden Klimawandel und der Umstellung der Energieversorgung auf regenerative Energien wird die Nutzung des Windes wichtiger denn je. Daniel Hauptmann zeigt in diesem Buch, was mit der Kraft des Windes noch alles möglich ist, wenn man die Innovationskraft zahlreicher Erfinder und Investoren im großen Maßstab hinzuaddiert. Dabei geht er über die gewöhnliche Perspektive der Windkraftnutzung zur Erzeugung von elektrischem Strom hinaus. Er zeigt anhand faszinierender Beispiele, was Wind bewegen kann – von segelnden Frachtschiffen über windbetriebene Rennwagen bis zu schwimmenden Windturbinen. Bei jedem Beispiel geht der Autor auf technische Fakten und die Umweltwirkung ein.

Daniel Hautmann: Windkraft neu gedacht – erstaunliche Beispiele für die Nutzung einer unerschöpflichen Ressource, Hanser Verlag, München 2020, 229 Seiten, gebundene Ausgabe 39,99 Euro, als E-Book 31,99 Euro.

Über den Autor

Daniel Hautmann, Jahrgang 1975, schreibt seit rund 20 Jahren als freier Wissenschaftsjournalist über Technik, Energie und Umwelt. Er ist ausgebildeter Industriemechaniker und Fachzeitschriftenredakteur. Hautmann hat sich vor allem auf regenerative Energien spezialisiert, insbesondere auf das Thema Windkraft. Der Wahlhamburger surfte bereits mit einem Windsurfweltmeister um die Wette und flog mit der Kunstflug-Europameisterin kopfüber im Segelflugzeug. Seine Texte sind unter anderem in Brand Eins, Technology Review und der Süddeutschen Zeitung erschienen. Darüber hinaus moderiert er gelegentlich fürs Radio, produziert Podcasts und schreibt Bücher. www.danielhautmann.de