NXP und Voi testen vernetzte E-Scooter in Hamburg

Hamburger Chiphersteller NXP und Sharing-Anbieter Voi stellen E-Scooter mit Kollisionserkennung und Ampelphasenoptimierung vor. ITS-Projekt
28. Oktober 2020
Vernetzte E-Scooter

Intelligente Systeme, die eine Echtzeitkommunikation zwischen Fahrzeugen ermöglichen, können den Verkehr sicherer machen, indem sie zum Beispiel vor Kollisionen warnen. Die sogenannte Car-to-Car-Kommunikation findet sich bereits in einigen Serienautos und LKW – und nun auch in zwei Prototypen des schwedischen E-Scooter-Vermieters Voi. Der Chipentwickler NXP Semiconductors Germany, mit Hauptsitz in Hamburg, hat gemeinsam mit dem Sharing-Anbieter die Technologie (V2X) für den Einsatz in E-Tretrollern weiterentwickelt und optimiert. Damit können die Prototypen mit den Ampelsystemen der Teststrecke für automatisiertes und vernetztes Fahren (TAVF) in der Hamburger City kommunizieren sowie potenzielle Kollisionen zwischen zwei E-Scootern aufzeigen.

Mikromobilität: Echtzeit-Fahrzeugkommunikation als Chance

Ziel sei es, das Fahren sicherer und effizienter zu gestalten, so Matthias Wilkens, Manager Industry Partnerships bei NXP Semiconductors Germany. Die von NXP ausgestatteten Prototypen stehen via digitaler Schnittstelle in Verbindung und können nach Angabe der Projektpartner auch über weite Entfernung, und ohne sich gegenseitig zu sehen, miteinander kommunizieren. Unter Einbeziehung von Daten, wie Position, Geschwindigkeit und Richtung des Rollers, können Kollisionen vermieden bzw. Geschwindigkeitsempfehlungen beim Anfahren auf eine Ampelkreuzung abgegeben werden. 

E-Scooter kommunizieren mit Ampelsystemen

Bei einer drohenden Kollision werden die Fahrer der Scooter durch rotes Blinken eines am Lenker montierten Displays gewarnt. Ebenfalls über dieses Display einsehbar sind die Taktungen der aktuellen Ampelphase. Indem die Scooter mit den Signalanlagen der TAVF-Teststrecke kommunizieren, können sie die verbleibende Zeit von Rot- und Grünphasen als Countdown darstellen. In Zukunft könne die Technologie noch ausgeweitet werden, so die Projektbeteiligten: Denkbar sei zum Beispiel ein Tempomat, der sich via Knopfdruck aktivieren lässt und die Geschwindigkeit so anpasst, dass Haltezeiten an Signalmasten komplett vermieden werden könnten. 

ITS Weltkongress 2021 in Hamburg

Das Projekt erfolgt in Anlehnung an die ITS-Strategie der Stadt Hamburg, zu der rund 60 weitere Vorhaben gehören. Der Intelligent Transport Systems World Kongress (ITS) gilt mit etwa 15.000 Fachbesuchern als weltweit größte Veranstaltung für intelligente Verkehrssysteme. Hamburg ist im Jahr 2021 (11. bis 15. Oktober) gemeinsam mit dem Bundesverkehrsministerium Gastgeber. Die Veranstaltung soll als Beschleuniger der vom Senat verabschiedeten ITS-Strategie fungieren. Hamburg will sich als Modellstadt und Labor für intelligente Verkehrs- und Logistiklösungen positionieren. Zu den Schwerpunktthemen des Kongress gehören unter anderem automatisierte, kooperative und vernetzte Mobilität, Mobility on Demand und Mobility as a Service und intelligente Infrastruktur.
sb/kk