Cross-Cluster-Event: Zukunftspotenziale von Wasserstoff

Wasserstoffwirtschaft in der Metropolregion Hamburg: Akteure aus Industrie, Logistik und Luftfahrt diskutierten bei Digitalevent Potenziale
11. Mai 2021
Hydrogen

Welches wirtschaftliche Potenzial steckt in Wasserstoff? Um Fragen wie diese ging es in einer virtuellen Veranstaltung am vergangenen Donnerstag (6. Mai), zu der die Cluster Erneuerbare Energien Hamburg (EEHH), Hamburg Aviation, Hamburg Cruise Net, Logistik Initiative Hamburg und das Maritime Cluster Norddeutschland eingeladen hatten. Im Fokus der Veranstaltung mit rund 230 Teilnehmer*innen stand der branchenübergreifende Austausch zu Innovationsprojekten und -themen mit Wasserstoffbezug in der Metropolregion Hamburg. Im Zuge dessen wurde deutlich, dass die Hansestadt aufgrund des Zusammenspiels verschiedener Schlüsselwirtschaftsfelder über beste Voraussetzungen für die Etablierung einer Wasserstoffwirtschaft verfüge, so die Organisator*innen.

Cross-Cluster-Event mit branchenübergreifendem Austausch

In seinem Grußwort machte Michael Westhagemann, Hamburgs Senator für Wirtschaft und Innovation, deutlich, dass Wasserstoff ein großes Thema innerhalb von EU und Bund sei. Seit der 2019 verabschiedeten Norddeutschen Wasserstoff-Strategie sei laut Westhagemann ein „Riesenschritt“ gemacht worden, was auch die Veranstaltung zeige. 

So haben sich im Wasserstoffverbund Hamburg „zwölf Akteure, die für die Erzeugung, Verteilung und Nutzung von Wasserstoff stehen, zusammengeschlossen“, berichtete Westhagemann. „Bis 2026 können sie durch ihre Anwendungsprojekte CO2-Emissionen in Hamburg um 170.000 Tonnen jährlich senken. Gleichzeitig gewährleisten sie Netzdienlichkeit, d. h. es entstehen keine zusätzlichen Netzkosten für einen weiteren Ausbau.“

Alternative Antriebe für Logistikbranche und grüner Wasserstoff

Im Anschluss erklärte Dirk Graszt, Geschäftsführer von Clean Logistics, wie Wasserstoff künftig im Straßengüterverkehr integriert werden kann. Das Unternehmen rüstet Bestands-Lkw mit Hybridantrieben auf Wasserstoff- und Brennstoffzellenbasis um. Die Branche muss laut Graszt bis Anfang 2030 mehr als 200.000 emissionsfreie Lkw im Güterverkehr zulassen. Unter anderem der Preis von Wasserstoff an öffentlichen Tankstellen müsse deutlich attraktiver werden, damit den Unternehmen der Umstieg von Diesel auf die neue Technologie erleichtert werde, so Graszt weiter.

In einem weiteren Vortrag im Zuge der virtuellen Veranstaltung erklärte Dr. Oliver Weinmann, Geschäftsführer der Vattenfall Europe Innovation GmbH, wie die künftige Wasserstoffproduktion am Kraftwerk Moorburg aussehen soll. Dabei ging es vor allem um den Green Hydrogen Hub. Untersucht werden soll, wie am bisherigen Standort ein Elektrolyseur mit einer Leistung von 100 Megawatt entstehen kann. Neben Vattenfall sind Shell, Mitsubishi und Wärme Hamburg beteiligt. Bereits 2025 soll in Hamburg-Moorburg grüner Wasserstoff produziert werden.

Kreuzfahrtschiff & Co. – Wasserstoff in der Schifffahrtsbranche

Matthias Wiese, Director Strategy & Innovation bei Siemens Energy Marine, erklärte den Teilnehmer*innen, welches Potenzial Wasserstoff für die Schifffahrt hat. Er machte anhand der Beispiele Fähre, Kreuzfahrtschiff und Frachtschiff deutlich, dass die Branche unterschiedliche Lösungen brauche. Vor allem die künftige Infrastruktur sei problematisch und ein Grund, warum der Fortschritt in der maritimen Branche langsamer sei als anderswo, so Wiese. Doch schon heute sei es durch die bereits bestehenden Technologien möglich, entsprechende Antriebe bereitzustellen.

Flugzeuge mit Wasserstoff-Antrieb

Wasserstoff beschäftigt auch den Hamburger Flughafen. Darum ging es in einem Vortrag von Jan Eike Hardegen, stellvertretender Leiter Abteilung Umwelt Hamburg Airport. Das Unternehmen setzt bei dem eigenen Fuhrpark bereits jetzt auf Fahrzeuge mit Wasserstoff-Antrieb. Aber auch bei Flugzeugen sieht Hardegen großes Potenzial, vor allem bei Kurz- und Mittelstrecken.

Klärung elementarer Fragen – runder Tisch gefordert

Im Anschluss an die Vorträge ging es beim Experten-Talk um grundlegende Fragen. Jan Rispens, Geschäftsführer des Clusters Erneuerbare Energien Hamburg, moderierte die Runde, an der sich Katja Mau (Gasnetz Hamburg), Jörg Spitzner (Blanc Air), Elena Hof (Now GmbH) und Dr. Julian Jepsen (Helmholtz Zentrum Geesthacht – Institut für Wasserstofftechnologie) beteiligten. Die Teilnehmer*innen betonten, dass für die Lösung elementarer Fragen, beispielsweise zur Förderung, Vernetzung oder zum Import von Wasserstoff ein runder Tisch gegründet werden müsse. Nur so können aus Sicht der Expert*innen die Weichen für eine erfolgreiche Zukunft von Wasserstoff gestellt werden.
sb/kk