Beyond the hype: 5 Learnings rund um die Blockchain-Technologie

Von Zukunftsszenarien und realen Anwendungsfällen in Industrie und Logistik
22. Dezember 2021
Blockchance 2021

Die Mehrheit der deutschen Unternehmen hält die Blockchain für eine wichtige Zukunftstechnologie. Rund 60 Prozent sind der Meinung, dass das Potenzial der Technologie stark unterschätzt wird, so eine repräsentative Umfrage des Digitalverbands Bitkom e. V. Davon überzeugt sind auch die mehr als 2.000 Teilnehmer*innen der diesjährigen hybriden Blockchance Europe. Die deutschlandweit größte Veranstaltung mit Fokus auf Blockchain und Distributed-Ledger-Technology (DLT) verwandelte die Handelskammer Hamburg Anfang Dezember in einen Blockchain-Hotspot mit Expert*innen, Visionär*innen, Investor*innen und Gleichgesinnten. Viele der rund 120 Speaker*innen skizzierten spannende Zukunftsszenarien, doch es ging auch um konkrete Anwendungsbeispiele samt Learnings.

Für die nächste Blockchance hat Blockchance-Gründer und CEO Fabian Friedrich bereits große Pläne: Das Branchentreffen soll vom 14. bis 17. März 2023 im Congress Centrum Hamburg (CCH) stattfinden – mit mehr als 7.000 Teilnehmenden.

El Salvador plant nachhaltige Bitcoin-City

Der wohl bekannteste Use Case der Blockchain-Technologie ist und bleibt Bitcoin. Für entsprechend große Aufmerksamkeit sorgte im Herbst 2021 die News, dass El Salvador die Kryptowährung als gesetzliches Zahlungsmittel eingeführt hat – als erstes Land der Welt. Während im September lediglich rund 30 Prozent der Salvadorianer Zugriff auf ein Bankkonto hatten, seien es im Dezember bereits 80 Prozent, die über eine digitale Wallet (Chivo) Zugriff auf ein Konto hätten, betonte William Eulises Soriano Herrera, Parlamentsabgeordneter und Sprecher von El Salvador, auf der Blockchance. Dies ermögliche zum einen ein „Banking the Unbanked“ und damit eine finanzielle Inklusion; zum anderen würden beispielsweise Überweisungen der zahlreichen Salvadorianer, die in den USA leben, sehr viel günstiger werden. Das nächste Megaprojekt sei der Aufbau einer nachhaltigen „Bitcoin City“ am Fuße eines Vulkans, berichtete Herrera weiter. Die Energie für die Stromversorgung der Stadt und das Bitcoin-Mining soll aus einem Erdwärmekraftwerk kommen, das sich die Hitze des Vulkans zunutze macht. Erste Bauarbeiten dafür hätten bereits begonnen.

El Salvador's bitcoin city
© Sarah Bischoff
El Salvador will eine Bitcoin-City ins Leben rufen

Blockchain beyond the hype – 5 Lessons

Um bereits konkrete Anwendungsfälle der Blockchain-Technologie in Industrie und Logistik ging es bei der Keynote von Michael Schramm, der seit rund vier Jahren das EY-Blockchain-Kompetenzzentrum in der DACH-Region leitet. Er berichtete von seinen wichtigsten fünf Learnings.

1. Coins sind cool, aber der Steuerberater sieht das anders
Ein Schritt nach dem anderen. Augen auf bei Projekten, bei denen es um tokenisierte, also digitale, Vermögenswerte geht. Beachten Sie den rechtlichen Rahmen.

Projekt: Bonusprogramm (Token-basiert) für Berufskraftfahrer für mehr Mitarbeiter-Loyalität und geringere Prozesskosten

2. Es geht nicht nur um Blockchain, sondern auch um Digitalisierungsprozesse
Seien Sie sich bewusst, dass Sie Prozesse verändern. Konzentrieren Sie sich darauf, das richtig zu machen. Die Technologie wird folgen.

Projekt: Frachtdokumente digitalisieren und mithilfe der Etheureum-Technologie notariell beglaubigen

Blockchain use cases
© Sarah Bischoff
Blockchain kann für mehr Transparenz sorgen

3. Transparenz ist das Ziel
Unternehmen wollen keine vollständige Transparenz. Wählen Sie einen klugen Weg, um selektive Transparenz zu finden.

Projekt: Transparente Supply Chain eines Weinherstellers (Anbau, Herstellung, Verpackung, Distribution)

4. Blockchain vs. DSGVO – ein Widerspruch?
Die Blockchain könnte Notare ersetzen. Doch wäre das DSGVO-konform? Persönliche Daten sollten nicht auf der Blockchain gespeichert werden.

Projekt: Europäisches immobilienunternehmen, das Meilensteine im Bauprozess transparent mit Kunden teilen will

5. Verbraucher sprechen keine Blockchain
Regeln und Protokolle in Blockchains sind für Maschinen gemacht, nicht für Menschen. Verstecken Sie Ihre Blockchain, visualisieren Sie die Ergebnisse, zum Beispiel in Form von Landkarten, Rezepten

Projekt: Von der Farm zur Gabel – transparente Lieferketten der Zulieferer (Ist das Produkt bio-zertifiziert? Woher kommt es? Wann produziert? etc.)

Hamburg auf dem Weg zur Blockchain-Metropole

Der Hamburger Senat hat es sich, gemeinsam mit Blockchance-Gründer und -CEO Fabian Friedrich und weiteren Partnern, zur Aufgabe gemacht, die Elbmetropole zu einem der wichtigsten Standorte für die Blockchain-Technologie in Deutschland und Europa zu machen. Die Schirmherrschaft für die Blockchance übernahm Hamburgs Bürgermeister Dr. Peter Tschentscher: „Blockchain ist eine Zukunftstechnologie, die digitale Prozesse sicherer macht – in der Finanzwirtschaft, in Handel und Industrie. Die Entwicklung neuer Technologien ist ein wichtiger Teil der Innovationsstrategie des Senats, mit der wir die Unternehmen beim digitalen Wandel unterstützen wollen.“ Dabei sei die Stadt Hamburg führend bei der Umsetzung von Blockchain-Projekten in Deutschland.
sb/kk