Autonomer E-Kleinbus HEAT in finaler Phase – mit Fahrgästen

Eignen sich autonome Kleinbusse für den ÖPNV-Einsatz? HEAT-Forschungsprojekt auf Zielgeraden. Wie Hamburger*innen den E-Shuttle testen können
10. August 2021
Henrik Falk, CEO of Hochbahn, and Dr Peter Tschentscher, Mayor of Hamburg, in front of HEAT minibus

In rund zwei Monaten versammeln sich Fachexpert*innen aus aller Welt in Hamburg, um die Mobilität der Zukunft auf dem ITS-Weltkongress (11.-15. Oktober) zu erleben und zu diskutieren. Bereits jetzt können sich Hamburger*innen selbst ein Bild davon machen: Der autonome fahrende E-Kleinbus HEAT (Hamburg Electric Autonomous Transportation) geht in die finale Phase und ist seit Montag (9. August) auf einer Strecke von rund zwei Kilometern mit Fahrgästen unterwegs. Interessierte können sich bis Mitte Oktober via App für eine Mitfahrt durch die HafenCity registrieren.

Vorreiter bei digitalen Mobilitätskonzepten

„Die Hamburger*innen können jetzt auf einer Gesamtstrecke von zwei Kilometern autonomes Fahren in einem elektrischen Bus im urbanen Umfeld einer Großstadt erleben“, sagt Anjes Tjarks, Senator für Verkehr und Mobilitätswende. Dies zeige sehr gut, welchen Beitrag elektrisch betriebene, autonome Kleinbusse in innerstädtischen Quartieren, aber auch der äußeren Stadt, in Zukunft leisten könnten, um die Menschen sicher, bequem und emissionsfrei ans Ziel zu bringen und an das bestehende Schnellbahnnetz anzubinden. „Das ist in dieser Form weltweit einzigartig und unterstreicht Hamburgs deutschlandweite Vorreiterrolle im Bereich digitaler nachhaltiger Mobilitätskonzepte“, so Tjarks weiter. Zudem biete das Projekt HEAT einen Ausblick auf den ITS-Weltkongress im Oktober, auf dem Hamburg die Mobilität der Zukunft zeige, erklärt Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher, – vom autonomen Fahren im Echtbetrieb über intelligente und vernetzte Verkehrssteuerung auf Straße und Schiene bis zu digitalen Diensten, die unsere Mobilität einfacher und komfortabler machen könnten.

HEAT e-shuttle in HafenCity
© Hamburger Hochbahn AG
HEAT-Bus in der HafenCity

HEAT auf Rundkurs mit fünf Haltestellen unterwegs

Bis zum Kongress Mitte Oktober können aktuell zeitgleich bis zu drei Interessierte auf dem 1,8 Kilometer langen Rundkurs mit fünf Haltestellen im Fahrzeug mitfahren. Mit einer Geschwindigkeit von bis zu 25 km/h absolviert das Fahrzeug die Runde ab Sandtorkai über Sandtorpark und Kaiserkai entlang der Elbphilharmonie.

Für die Mitfahrt ist das Tragen einer medizinischen Maske sowie eine vorherige Registrierung per App nötig, so die Projektbeteiligten, unter der Leitung der Hamburger Hochbahn. HEAT sei das bundesweit „erste Forschungsprojekt, bei dem ein autonomer Bus unter realen Verkehrsbedingungen und Einbindung einer Leitstelle mitten in einer deutschen Metropole unterwegs ist“, weiß Henrik Falk, Vorstandsvorsitzender der Hochbahn.

Eignen sich autonome Kleinbusse für den Einsatz im ÖPNV?

Trotz Pandemie habe das Projekt HEAT alle wesentlichen Projektziele bereits deutlich vor dem ITS-Weltkongress erreicht, erklären die Projektbeteiligten. Kernziel des Forschungs- und Entwicklungsprojektes sei die Beantwortung der Frage, ob autonome Kleinbusse sich für den Einsatz im ÖPNV eignen und akzeptiert werden. Der nun startende Betrieb mit Passagieren runde das Forschungsprojekt mit dem praktischen Erlebnis ab. Bereits im Herbst 2020 war der E-Shuttlebus erstmals mit Fahrgästen in der HafenCity unterwegs. Nun wird die Teststrecke verdoppelt, die Anzahl der Haltestellen erhöht und der Zeitraum des Fahrgastbetriebs verlängert.

Akzeptanz der Fahrgäste unter der Lupe

Entwickelt wurde der autonome und barrierefreie Kleinbus, der über insgesamt drei Sitz- und vier Stehplätze verfügt, von der IAV GmbH. Die direkte Umfeldwahrnehmung des Fahrzeugs basiert auf einem System aus Radar- und Lidar-Sensoren, das durch Kameras ergänzt wird. Darüber hinaus greift das Fahrzeug auf eine von Siemens Mobility entwickelte und durch Hamburg Verkehrsanlagen (HHVA) installierte neuartige Streckeninfrastruktur zu und nutzt eine von der Stadt Hamburg zur Verfügung gestellten und auf wenige Zentimeter genaue HD-Karte über die aktuelle Strecke. Dadurch sei der autonome Kleinbus in der Lage unter anderem bis zu 25 km/h schnell zu fahren, automatisiert links abzubiegen, Hindernisse zu umfahren, und sich so optimal in den fließenden Verkehr der HafenCity einzuordnen.

Mit dem Fahrgastbetrieb geht auch die nutzerzentrierte Begleitforschung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt e. V. (DLR) in die entscheidende Phase. Fahrgäste werden, wie bereits während des ersten Probebetriebs, nun direkt im Umfeld ihres Fahrerlebnisses befragt: „Wir wollen wissen, wie sie das autonome Fahren erleben und was sie brauchen, um sich wohlzufühlen“, erklärt Prof. Dr. Michael Ortgiese, stellvertretender wissenschaftlicher Institutsleiter, DLR – Institut für Verkehrssystemtechnik.

Rechtliche Rahmenbedingungen für autonomes Fahren als Herausforderung 

Eine der größten Herausforderungen im Forschungsprojekt sind und bleiben die rechtlichen Rahmenbedingungen für das autonome Fahren. Erst im Mai 2021 hat der Bundesrat in einem verkürzten Fristrahmen einem Gesetzesbeschluss zugestimmt, nach dem autonome Fahrzeuge perspektivisch bundesweit in festgelegten Bereichen des öffentlichen Straßenraumes ohne Fahrpersonal fahren können. Für das Projekt HEAT kam diese Entscheidung jedoch zu spät. Deshalb bleibt der Fahrzeugbegleiter zur Sicherheit bis zum ITS-Weltkongress an Bord.
sb/kk