5 Fragen an ... das Hamburger Startup Colipi

TUHH-Gründer forschen an Produkt, das Einsatz von Palmöl in Lebensmitteln und Kosmetika deutlich verringern soll
15. Juli 2022
Image of fermentation

Bereits über neun Millionen Hektar Regenwald wurden für Palmöl rund um den Äquator gerodet. Das zerstört nicht nur wichtigen Lebensraum bedrohter Tierarten, sondern setzt auch eine große Menge CO2 frei. Die Gründer Jonas Heuer, Max Webers, Philipp Arbter und Tyll Utesch vom Institute of Bioprocess and Biosystems Engineering der Technischen Universität Hamburg (TUHH) haben eine nach eigenen Angaben weltweit einzigartige Technologie entwickelt, die nachhaltiges Öl CO2-neutral produzieren kann.

Hamburg News: Wie ist eure Geschäftsidee entstanden?

Colipi: Einer unserer Gründer, Philipp Arbter, beschäftigt sich seit 10 Jahren mit ölbildenen Hefen. Im Rahmen seiner Promotion ist es ihm gelungen, Wege zu finden, um die Zusammensetzung des von den Hefen hergestellten Öls gezielt zu beeinflussen. Durch die Ähnlichkeit zu pflanzlichen Ölen, wie Kakaobutter oder Palmöl, lag die Geschäftsidee nahe. Um die Umweltbilanz weiter zu verbessern, forscht Colipi an einem zweiten Fermentationsschritt, der normalerweise in die Atmosphäre abgegebenes CO2 im Prozess hält und so die Effizienz steigert.

Founders of Colipi
© Colipi
v. l. n. r. Jonas Heuer, Max Webers, Philipp Arbter und Tyll Utesch

Hamburg News: Wie habt ihr gegründet und wer hat euch unterstützt und gefördert?

Colipi: Wir sind seit November 2021 durch den Exist Forschungstransfer des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) gefördert und haben in diesem Rahmen im März 2022 die Colipi GmbH gegründet. Für diese Unterstützung sind wir sehr dankbar. Bei der Antragstellung stand uns die Gründungsberaterin Andrea Otto von beyourpilot mit Rat beiseite. Ebenso freuen wir uns darüber, die Räume der TU Hamburg nutzen zu dürfen und mit Herrn Dirk Friedrich beim Projektträger Jülich (Forschungszentrum Jülich, Anm. d. Redaktion) einen sehr motivierten Betreuer zu haben.

Hamburg News: Was waren die größten Hürden auf dem Weg zur Gründung?

Colipi: In unserem Fall war die Förderung durch den Exist Forschungstransfer die entscheidende Hürde. Von der Idee bis zum Beginn der Förderung sind ca. anderthalb Jahre vergangen. Eine arbeitsintensive Zeit mit ungewisser Zukunft.

Hamburg News: Wo seht ihr euch in 5 Jahren?

Colipi: In fünf Jahren läuft unsere Ölproduktion stabil im Pilotmaßstab und wir haben genug Geld eingesammelt, um eine großtechnische Anlage zu bauen. Dieses Ziel ist ambitioniert aber machbar. Dafür benötigen wir in den nächsten Monaten eine Finanzierung im mittleren einstelligen Millionenbereich. Mit dem generierten Wissen lässt sich dann eine Anlage auslegen, die mehrere Kilotonnen Öl pro Jahr produziert. Die Investitionen würden dann im mittleren zweistelligen Millionenbereich liegen.

Hamburg News: Welche wichtige Empfehlung oder welchen Tipp würdet ihr Gründer:innen mit auf den Weg geben?

Colipi: Sucht euch ein Team mit unterschiedlichen Hintergründen und Perspektiven. Verschiedene Blickwinkel helfen, Probleme zu lösen und Chancen zu begreifen. Erweitert euer Netzwerk und redet mit unterschiedlichen Menschen aus unterschiedlichen Branchen über euer Projekt. Dadurch entwickeln sich vielleicht neue Geschäftsfelder oder ihr wisst, was ihr nicht machen wollt oder könnt. Fokussiert euch auf eine zentrale Problemlösung und schärft euer Geschäftsmodell.

Hamburg News: Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Charles Sinn, Koordinator Content Management bei Hamburg Innovation, in Kooperation mit den Hamburg News.

cs/tn/sb